Bakterielle Vaginose

Verschiedene Laktobazillen sorgen für eine gesunde und normale Scheidenflora, welche das Wachstum von krankheitsauslösenden Mikroorganismen verhindern und zur Aufrechterhaltung eines sauren Ph-Wertes dienen. Kommt es jedoch zu einem Untergang der Laktobazillen und zu übermäßigem Wachstum von Bakterien wie Gardnerella vaginalis oder Prevotella spp., so gerät die Scheidenflora ins Ungleichgewicht.
Bakterielle Vaginose - die Geschlechtskrankheit der Frau

Als bakterielle Vaginose wird also das krankhafte Ungleichgewicht der Scheidenflora (Vaginalflora) bezeichnet, welche sich typischerweise durch einen verstärkten Scheidenfluss, der einen unangenehmen, fischigen Geruch hat bemerkbar macht. Begleitet wird die bakterielle Vaginose zudem oft von Juckreiz, Brennen oder krampfartigen Unterleibsschmerzen. Jede zweite Frau allerdings bleibt gänzlich ohne Beschwerden.

Bakterielle Vaginose – Ursachen und Häufigkeit

Für die Entstehung einer bakteriellen Erkrankung an der Scheide sind die Ursachen leider nicht genau bekannt, wissenschaftiche Daten aber zeigen das es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Darmflora, in der ebenfalls Laktobazillen vorkommen, und der Vaginalflora (Scheidenflora) gibt. Der tatsächliche Auslöser für ein Laktobazillen-Defizit ist allerdings unklar.
Eine bakterielle Vaginose ist keine sexuell übertragbare Krankheit, da sie auch bei Frauen, welche sexuell nicht aktiv sind, auftreten kann. Psychosozialer Stress und übertriebene Intimhygiene begünstigen ebenfalls diese Infektion und stellen zusammen mit dem häufigen Wechsel der Sexualpartner weitere Risikofaktoren dar.
Bei geschlechtsreifen Frauen stellt die bakterielle Vaginose die häufigste mikrobiologische Störung des Scheidenmilieus dar. In Europa sind beispielsweise etwa 5 Prozent der Frauen, die zur Vorsorgeuntersuchung kommen, betroffen. Etwa 7 bis 22 Prozent der Schwangeren in Europa sind ebenfalls betroffen. In Summe leiden etwa rund 20 Prozent aller Frauen mindestens einmal in ihrem Leben an einer bakteriellen Scheideninfektion, welche meistens die bakterielle Vaginose darstellt.
Somit zählt die bakterielle Vaginose zu den häufigsten Vaginalerkrankungen bei geschlechtsreifen Frauen.

Welche Erreger verursachen eine bakterielle Vaginose?

Einer Störung der gesunden Scheidenflora liegt meist einer vaginalen Infektion zugrunde. Mit dem Begriff Scheidenflora oder auch Vaginalflora, bezeichnet man die natürliche, gesunde Besiedelung der Vagina mit ansässigen (autochthonen) Keimen. Ähnlich wie bei der Keimbesiedelung unserer Haut erfüllen diese Keime eine wichtige Aufgabe in der Abwehr von Krankheitserregern. Der überwiegende Anteil der Scheidenflora wird durch Milchsäurebakterien gebildet. Diese Bakterien sind auch für das saure Milieu der Scheide verantwortlich. Manche Milchsäurebakterien bilden neben der Ansäuerung der Scheide durch Laktat, auch weitere Stoffe, welche konkurrierende Keime wie beispielsweise Wasserstoffperoxid, in deren Wachstum hemmen.

Kommt es nun durch innere oder äußere Einflüsse zu einer Veränderung des gesunden Scheidenmilieus (Keimanzahl, Ph-Wert), so können sich folglich schädliche Keime vermehren und zu einer Infektion der Scheide führen.
Erreger, welche für eine Scheideninfektion verantwortlich sein können, sind meist Bakterien oder Pilze und Viren bis hin zu einzelligen Organismen (Protozoen).

Bakterien – Bakterielle Vaginose

Die bakterielle Vaginose stellt die häufigsten Beschwerdebilder einer Scheideninfektion dar. Meist anaerobe (ohne Sauerstoff überlebensfähige) Bakterien, verdrängen die gesunde Scheidenflora.
Der Erreger Gardnerella vaginalis kann in bis zu 70 Prozent der Fälle im Scheidensekret nachgewiesen werden. Vielfach wird deshalb häufig von einer sogenannten Gardnerellen-Infektion gesprochen.
Des Weiteren finden sich auch Bakterien der Gattungen Mobiluncus oder Bacteroides. Der Verlust an bestimmten Milchsäurebakterien tragen vermutlich maßgeblich zur Entstehung einer bakteriellen Vaginose bei.
Eine sehr ernste Komplikation einer bakteriellen Vaginose stellt die Frühgeburt dar. Der rechtzeitige Beginn einer adäquaten Therapie in der Schwangerschaft wird deshalb dringend empfohlen.
Streptokokken, Staphylokokken oder Enterokokken sind ebenfalls Bak

terien, welche sehr häufig für eine Infektion an der Scheide verantwortlich sind.

Pilze

Der Sprosspilz Candida albicans ist der häufigste Verursacher der Pilzinfektion der Scheide. Sprosspilze finden sich zwar in geringen Mengen auch im gesunden Scheidenmilieu der Frau, führen jedoch zu einer Infektion wenn das Milieu der Scheide entsprechend verändert ist. Ursachen für eine derartige Veränderung können beispielsweise die Therapie mit Antibiotika oder die Grunderkrankung Diabetes mellitus sein. Pilzinfektionen treten außerdem häufig bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem auf. Manchmal können auch Hautpilze die Ursache für ein Ungleichgewicht der Scheidenflora darstellen.

Viren

Eine Vielzahl an viralen Infektionen im Bereich der Scheide werden durch HP-Viren und HS Viren hervor gerufen. Von den HP-Virus sind heute mehr als 120 Stämme bekannt. Davon befallen in etwa 30 Prozent den Geschlechts- bzw. Harntrakt des Menschen. Die Durchseuchungsrate mit HP-Viren in der Bevölkerung ist sehr hoch und liegt bei etwa 80 Prozent. Geschlechtsverkehr oder die Berührung kontaminierter Gegenstände und Vorrichtungen wie zum Beispiel Handtücher und Toiletten stellen die größten Übertragungsrisiken dar. Gutartige, mitunter aber sehr belastende Kondylome (Feigwarzen) stellen die sogenannten Niedrigrisiko-Viren (vor allem HPV 6 und HPV 11) dar. Chronische Infektionen mit Hochrisiko-Viren (vor allem HPV 16 und HPV 18) können hingegen zur Bildung von sogenannten zervikalen intraepithelialen Neoplasien und in weiterer Folge zur Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs führen.

Herpes simplex-Viren

Unterschieden werden hierbei die Typen HSV 1 und HSV 2 und zählen zu den am häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten.
Genitaler Herpes wird in 90 Prozent der Fälle durch eine HSV-2-Infektion verursacht.
Die äußeren Genitale der Frau (Vulva) sind am häufigsten betroffen und können auch auf die Vagina übergehen.
Unterschieden wird bei HSV-Infektionen zwischen einer Erstinfektion und einer sogenannten Reaktivierung des Virus.
Erstinfektionen können zum einen mit starken Symptomen verbunden sein, können jedoch auch sehr symptomarm verlaufen sodass viele als solche gar nicht erkannt werden.
Besonders im Bereich der Geburtshilfe ist dieser Umstand von großer Bedeutung, da es bei der Geburt zu einer Infizierung des Neugeborenen kommen kann.
Eine Herpesinfektion während des Geburtsvorganges kann zu Schäden des Nervensystems und sogar zum Tod des Säuglings führen.
Die Herpesviren verbleiben nach einer Erstinfektion ein Leben lang in den Nervenzellen und können durch Krankheit oder hormonelle Störungen, sowie Stress wieder aktiviert werden.
Das Risiko für eine Infektion des Neugeborenen während der Geburt ist in solchen Fällen jedoch deutlich geringer.

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Einzeller

Eine sehr wichtige Bedeutung unter den parasitären Organismen, welche die Vagina befallen, kommt Trichomonas vaginalis zu. Sowohl an die Bedingungen im Scheidenbereich, als auch beim Mann im Bereich der Prostata hat sich dieser Erreger angepasst.
Es handelt sich hierbei um einen einzelligen Organismus, der sich durch fadenähnliche Fortsätze (sogenannte Geißeln) fortbewegen kann.

Die Übertragung der Trichomonaden erfolgt fast ausschließlich über Geschlechtsverkehr. Die Infektion ist meist schmerzhaft und die Parasiten können ohne Behandlung über lange Zeit in der Scheide verbleiben und so zu einer chronischen Infektion führen. Männer bemerken meist nichts von der Besiedelung durch Parasiten, da eine Infektion bei ihnen meist symptomlos verläuft.

Aus diesem Grund ist immer eine Behandlung des Sexualpartners durchzuführen.

Bakterielle Vagionose – welche Symptome können auftreten?

Die Symptomatik kann aufgrund verschiedenster Erreger stark variieren.
Der Verlauf einer Infektion verläuft auch ganz unterschiedlich, da es von vielen individuellen Faktoren, wie beispielsweise der Immunlage der Frau abhängig ist. Eine vaginale Infektion wird meist von starken Schmerzen begleitet, welche vor allem beim Geschlechtsverkehr auftreten. Anzeichen sind außerdem starke Rötungen der vaginalen Schleimhaut sowie ein unangenehmer vaginaler Ausfluss (Fluor). Manchmal kommt es auch zu symptomlosen Verläufen. Charakteristisch für eine bakterielle Vaginose ist ein übelriechendes Sekret. Ein schaumiger Ausfluss ist typisch für eine Infektion durch Trichomonaden.
Zur Ausbildung von schmerzlosen Feigwarzen (Kondylome) kommt es im Zuge einer HPV-Infektion mit Niedrigrisiko-Viren.
Die Unterschiedlichkeit der Feigwarzen reicht von sehr kleinen flachen Warzen bis hin zu sehr grossen Wuchsformen (Riesenkondylome). Krankheitssymptome wie Fieber, Muskelschmerzen und Müdigkeit treten häufig bei einer primären HSV-Infektion auf. Im Gentalbereich bilden sich charakteristische Bläschen auf rotem Grund, die mit starkem Juckreiz und Schmerzen einhergehen. Ausserdem kann es zu einer Schwellung der lokalen Lymphknoten kommen.
Nahezu symptomlose Verläufe sind bei Erstinfektionen allerdings ebenfalls möglich.

Bakterielle Vaginose – wie kann diese behandelt werden?

Die Therapie zur Behandlung einer solchen Erkrankung richtet sich nach dem jeweiligen Erreger. Ein fachkundiger Arzt steht betroffenen Frauen in solchen Fällen gerne zur Verfügung. Gleiches gillt bei Trichomoniasis.

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